Du hast den Theoriekurs abgeschlossen — gut gemacht. Jetzt kommt der praktische Teil, und du fragst dich wahrscheinlich: Was erwartet mich da genau? Welche Übungen werden gemacht, wie werde ich bewertet, und was passiert, wenn es nicht klappt? Dieser Artikel beantwortet alle diese Fragen konkret, damit du und dein Hund vorbereitet starten können.
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Quiz starten →Wer muss den praktischen Kurs absolvieren?
Grundsätzlich obligatorisch für neue Hundehalterinnen und Hundehalter im Kanton Zürich. Ausnahmen gelten u. a. für: Hunde, die bei Übernahme älter als 10 Jahre sind; Übernahmen vom Ehe- oder Lebenspartner (Hund mindestens 6 Monate im gemeinsamen Haushalt); lizenzierte Hundetrainerinnen und -trainer; Personen, die aus einem anderen Kanton zuziehen und dort bereits einen gleichwertigen Praxiskurs absolviert haben (Bestätigung durch das Veterinäramt erforderlich); Assistenzhunde von IV-anerkannten Schulen sowie weitere Sonderfälle.
Wichtig: Der Kurs muss von der Person absolviert werden, die im AMICUS-Register als Haltende eingetragen ist — du kannst diese Pflicht nicht an jemand anderen delegieren.
Fristen auf einen Blick:
- Frühester Start: Wenn dein Hund 6 Monate alt ist
- Spätester Abschluss: 12 Monate nach dem Beginn der Haltung (Datum der Anschaffung bzw. des Zuzugs in den Kanton Zürich)
- Mindestumfang: 6 Lektionen à 60 Minuten, mit mindestens einer Woche Abstand zwischen den Lektionen
Wenn du gerade aus einem anderen Kanton zugezogen bist und dort bereits einen Praxiskurs abgeschlossen hast, kann das Veterinäramt diesen als gleichwertig anerkennen. Das ist kein automatischer Prozess — du musst einen Antrag stellen.
Den Theoriekurs hast du hoffentlich bereits hinter dir. Falls noch nicht, lies zuerst unseren Artikel zum Theoriekurs Hund Zürich.
Was im praktischen Kurs geübt wird — die offiziellen Lernziele
Das Veterinäramt Kanton Zürich hat die offiziellen Lernziele für den praktischen Kurs veröffentlicht (§ 13 HuV). Die untenstehenden Themen stammen aus diesem Dokument und geben dir einen guten Überblick — es handelt sich jedoch um eine Auswahl. Das vollständige Lernziele-Dokument (PDF) des Kantons enthält weitere Punkte, die dein Trainer ansprechen wird.
1. Bindung und Beziehung
Du lernst, wie du die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich lenkst. Dazu gehört auch das Einüben von alltäglichem Handling und Pflegemassnahmen auf tierschutzkonforme Weise — also ohne Zwang oder aversive Methoden.
2. Körpersprache erkennen und verstehen
Du lernst, die Ausdrucksweise deines eigenen Hundes richtig einzuschätzen — und die anderer Hunde. Das klingt simpel, ist aber eine der wichtigsten Fähigkeiten im Alltag. Wer erkennt, wann sein Hund gestresst ist, kann rechtzeitig reagieren.
3. Signale aufbauen — Lerntheorie in der Praxis
Hier geht es darum, konkrete Verhaltensweisen mit einem Signal zu verknüpfen — auf tierschutzkonforme Art und Weise. Zwei Signale sind explizit in den Lernzielen festgehalten:
- Sitz: Dein Hund sitzt auf ein Signal hin (max. eine Wiederholung des Signals, in einer Situation mit wenig Ablenkung)
- Liegen: Dein Hund liegt auf ein Signal hin (max. eine Wiederholung, wenig Ablenkung)
- Seite wechseln: Dein Hund wechselt auf Signal die Seite
4. Maulkorbgewöhnung
Du weisst, wie du deinen Hund tierschutzkonform an das Tragen eines Maulkorbs gewöhnst. Das ist kein Zeichen, dass dein Hund gefährlich ist — sondern eine praktische Kompetenz für Tierarztbesuche, Reisen und andere Situationen.
Die Prüfung — was genau bewertet wird
Hier eine wichtige Klarstellung, die viele überrascht: Es gibt keine separate, formale Abschlussprüfung wie beim Theoriekurs.
Stattdessen bewertet der Trainer über den gesamten Kursverlauf, ob du die Lernziele erreicht hast. Wenn das nach 6 Lektionen der Fall ist, bestätigt er oder sie den Abschluss und trägt ihn in AMICUS ein. Wenn nicht, werden weitere Lektionen angehängt, bis die Ziele erreicht sind.
Was konkret bewertet wird, sind die oben beschriebenen Lernziele — keine Show-Performance, kein Wettbewerb. Der Fokus liegt darauf, ob du und dein Hund in Alltagssituationen sicher miteinander umgehen könnt und ob du die Grundlagen der tierschutzkonformen Ausbildung verstehst und anwenden kannst.
Die abschliessende Kursbestätigung wird vom zugelassenen Trainer direkt in AMICUS eingetragen. Seit dem 24. März 2026 müssen Trainer, die eine neue oder erneuerte Bewilligung beantragen, selbst eine theoretische und praktische Prüfung bestehen.
Die häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest
1. Zu wenig Alltagstraining zwischen den Lektionen
Der Kurs findet einmal pro Woche statt. Was dazwischen passiert, entscheidet, ob dein Hund Fortschritte macht. Wer die gelernten Signale nicht täglich übt, verliert den Kurseffekt. Plane täglich 10 bis 15 Minuten ein.
2. Zu viele Ablenkungen beim Üben
"Sitz" in der Wohnung klappt wunderbar — aber im Park mit anderen Hunden? Viele Hunde können in Alltagssituationen noch nicht zuverlässig auf Signale reagieren. Steigere die Ablenkung schrittweise, nicht plötzlich.
3. Signale mehrfach wiederholen
Die Lernziele verlangen ausdrücklich: max. eine Wiederholung des Signals. Wer "Sitz-Sitz-Sitz" sagt, trainiert seinen Hund darauf, erst beim dritten Mal zu reagieren. Einmal sagen, dann warten.
4. Den Kurs zu spät beginnen
Der Kurs kann erst beginnen, wenn dein Hund 6 Monate alt ist — aber er muss innerhalb von 12 Monaten nach dem Beginn der Haltung abgeschlossen sein. Wer zu lange wartet, kommt in Zeitdruck. Plane den Kursstart frühzeitig.
5. Einen nicht zugelassenen Anbieter wählen
Nur Trainer mit einer Bewilligung des Veterinäramts Kanton Zürich dürfen den obligatorischen Kurs durchführen. Ein Kurs bei einem nicht zugelassenen Anbieter zählt nicht. Prüfe den Anbieter vorher.
So bereitest du dich und deinen Hund vor — 4-Wochen-Plan
Du musst nicht erst im Kurs anfangen. Wer die Basics vorab übt, lernt im Kurs effizienter und kommt entspannter rein.
Woche 1 — Aufmerksamkeit aufbauen
Übe täglich 2-3 Minuten "Blickkontakt auf Cue": Sag deinen Namen oder ein Signalwort, belohne deinen Hund sofort, wenn er dich anschaut. Keine Ablenkungen, keine anderen Hunde in der Nähe. Ziel: Dein Hund schaut dich zuverlässig an, wenn du ihn ansprichst.
Woche 2 — Sitz und Liegen einführen
Verwende einen Leckerli, um deinen Hund in die Sitz-Position zu locken. Sobald er sitzt, Signal "Sitz" + sofortige Belohnung. Gleiches Prinzip für "Liegen". Immer ruhige Umgebung, max. 5 Minuten pro Session.
Woche 3 — Ablenkungen einbauen
Übe dieselben Signale jetzt draussen — erst im Garten, dann auf der Strasse. Reagiert dein Hund nicht? Zurück in die ruhigere Umgebung. Kein Wiederholungskommando.
Woche 4 — Maulkorb einführen
Zeig deinem Hund den Maulkorb ohne ihn aufzusetzen. Leckerli in den Maulkorb legen, Hund steckt die Nase rein. Wiederholen bis er das freiwillig macht. Dann kurz aufsetzen, sofort belohnen, wieder abnehmen. Ziel: Hund ist entspannt beim Anblick und Tragen des Maulkorbs.
Anerkannte Anbieter in Zürich
Du musst einen Trainer wählen, der eine Bewilligung des Veterinäramts Kanton Zürich besitzt. Die offizielle Liste findest du direkt auf der Website des Veterinäramts.
Auf Züri Paw Society haben wir zusätzlich eine Übersicht der zugelassenen Hundekurs-Anbieter in Zürich sowie eine detaillierte Liste der Anbieter des praktischen Hundekurses 2026 zusammengestellt, damit du schnell einen passenden Kurs findest.
Was die Kosten angeht: Der praktische Kurs kostet je nach Anbieter und Gruppengrösse unterschiedlich viel. Eine Übersicht der typischen Kurskosten in Zürich findest du in unserem Artikel zu den Hundekurskosten in Zürich.
Häufige Fragen
Kann ich den Kurs bei jedem Hundetrainer machen?
Nein. Der Trainer muss eine Bewilligung des Veterinäramts Kanton Zürich haben. Ein Kurs bei einem nicht zugelassenen Anbieter erfüllt die Pflicht nicht — auch wenn der Trainer sonst gut ist und der Kurs inhaltlich identisch aussieht.
Was passiert, wenn ich die 12-Monate-Frist verpasse?
Die Frist läuft ab dem Datum der Anschaffung oder des Zuzugs in den Kanton — nicht ab dem Datum der Gemeindeanmeldung. Wenn du die Frist verpasst, wende dich umgehend an deine Wohngemeinde. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel zu verpassten Kursfristen in Zürich.
Kann mein Partner den Kurs für mich machen?
Nein. Der Kurs muss von der Person absolviert werden, die in AMICUS als Haltende eingetragen ist. Das ist ausdrücklich so in den Kantonsunterlagen festgehalten.
Muss mein Hund beim Kurs bestimmte Übungen "bestehen"?
Es gibt keine formale Prüfung im klassischen Sinne. Der Trainer bewertet fortlaufend, ob die Lernziele erreicht sind. Wenn nach 6 Lektionen noch nicht alle Ziele erfüllt sind, kommen weitere Lektionen hinzu.
Ich komme aus einem anderen Kanton — muss ich den Kurs neu machen?
Nicht zwingend. Wenn du bereits einen gleichwertigen Praxiskurs in einem anderen Kanton absolviert hast, kann das Veterinäramt Kanton Zürich diesen anerkennen. Du musst einen entsprechenden Antrag stellen und eine Bestätigung vorlegen.
Gilt die Pflicht für alle Hunderassen?
Ja. Der praktische Kurs gilt für alle Hunde — unabhängig von Rasse oder Grösse — die ab dem 1. Juni 2025 im Kanton Zürich gehalten werden.
Einen vollständigen Überblick über alle Kurspflichten im Kanton Zürich findest du in unserem Leitfaden zum obligatorischen Hundekurs 2025.
Diese Informationen dienen als Orientierungshilfe und ersetzen keine rechtsverbindliche Auskunft. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an deine Wohngemeinde oder das Veterinäramt des Kantons Zürich.

