Es ist Samstag, in Zürich sind 29 Grad, und der Asphalt riecht. Wir packen den kleinen Grill, eine Kühltasche, die Schleppleine, den Bodenanker und den Hund ins Auto und fahren los. Eine Stunde später stehen wir an einem türkis leuchtenden Bergsee, der so klar ist, dass man die Steine am Grund zählen kann. Klöntalersee, Kanton Glarus.
Das hier ist keine alpinistische Heldengeschichte. Das ist ein BBQ-Tag mit dem Hund am Wasser, ein paar Stunden raus aus der Stadt, gegrillt am See, und am Abend müde und glücklich wieder zurück. Was man wissen sollte, wenn man dasselbe vorhat, steht hier.
Was ist der Klöntalersee?
Der Klöntalersee liegt auf 848 Metern im Kanton Glarus, nicht im Kanton Zürich. Das ist wichtig, denn andere Kantone haben andere Regeln (mehr dazu beim Thema Hund und Feuer weiter unten). Der See ist rund fünf Kilometer lang, eingerahmt von steilen Felswänden des Glärnisch im Süden und sanfteren Hängen im Norden. Er ist der älteste grössere Stausee der Schweiz, seit 1908 aufgestaut, und das Wasser hat diese typisch alpine Türkisfarbe, weil es Gletscherschliff mitführt.
Im Hochsommer wird der See zwischen 18 und 22 Grad warm. Es gibt kein klassisches Strandbad mit Eintritt, sondern lange Abschnitte frei zugänglichen Kiesufers und Wiesen. Man parkt, läuft ein paar Schritte ans Wasser und sucht sich einen Platz. So einfach ist das.

So kommst du hin (mit oder ohne Auto)
Mit dem Auto sind es von Zürich aus über die A3 etwa eine Stunde bis eine Stunde zehn. Du nimmst die Ausfahrt 44 (Niederurnen), fährst weiter Richtung Glarus, und ab dort sind es noch rund 13 Minuten ins Klöntal.
Was du planen solltest: Parken kostet seit Anfang 2025 Geld. Die Zonen Güntlenau und Vorauen verlangen CHF 3 pro Stunde für die ersten fünf Stunden, danach pauschal CHF 15 pro Tag. Zahlen kannst du via parkingpay, easypark, TWINT oder am Automaten. Bring also dein Handy mit, oder ein paar Münzen.
Ohne Auto geht es ebenfalls gut. SBB ab Zürich HB nach Glarus dauert rund eine Stunde, von dort fährt das PostAuto Linie 504 ins Klöntal bis zur Endstation Vorauen. Insgesamt etwa zwei Stunden Tür zu Tür. Der Bus 504 fährt von Anfang Mai bis Ende Oktober, an Wochenenden in der Hochsaison sogar im Halbstundentakt. Bilder vom Auto bekommt man nicht, dafür einen freien Kopf. Hunde fahren bei SBB und PostAuto entweder gratis (kleine Hunde in der Box) oder mit Halbtax-Tagesticket. Die aktuellen Hundetarife stehen direkt auf sbb.ch.
BBQ am See: was geht, was nicht
Wir hatten unseren kleinen Klappgrill dabei. Holzkohle, Anzünder, Anzündhilfe, marinierte Pouletflügeli und Schweinefleisch. Wir haben uns einen Platz am freien Ufer gesucht, weit weg vom Waldrand, auf offenem Wiesen- und Kiesboden. Genau das ist die richtige Reihenfolge: erst checken, ob am Tag des Ausflugs überhaupt offene Feuer und Grills erlaubt sind, dann einen Platz ausserhalb des Waldes wählen, dann grillen.
Im Kanton Glarus gilt eine eindeutige Regel: Im Wald und am Waldrand darf das ganze Jahr nur in offiziellen, befestigten Feuerstellen gefeuert werden. Ein eigener tragbarer Grill am Waldrand oder im Wald ist nie eine gute Idee. Auf dem offenen Seeufer, abseits vom Wald, ist ein tragbarer Grill in normalen Bedingungen in Ordnung. "Normale Bedingungen" heisst: keine erhöhte Waldbrandgefahr und kein kantonales Feuerverbot.

Wer keinen eigenen Grill mitschleppen will: rund um den See gibt es mehrere offizielle Feuerstellen, unter anderem bei Camping Vorauen am westlichen Ende und am östlichen Ufer bei Güntlenau und Rhodannenberg. Eine offizielle Karte mit allen Plätzen gibt es leider nicht, also lohnt es sich, vor Ort kurz die Augen offen zu halten oder am Kiosk in Vorauen zu fragen.
Und wie immer: alles wieder mitnehmen. Asche, Kohle, Verpackungen, Knochen. Wir nehmen einen Müllsack mehr mit, als wir brauchen.
Der Hund am Wasser
Schwimmen im Klöntalersee: erlaubt und herrlich. Noushka ist die ersten Meter immer skeptisch, weil das Wasser kalt aus den Bergen kommt, aber nach zwei Sekunden ist sie drin und holt Stöcke aus dem flachen Wasser. Das Wasser ist sauber, kühl und für einen heissen Tag perfekt.
Aufs Ufer rennen, Stöcke schütteln, sich im Gras wälzen: alles erlaubt, kein offizielles Strandbad-Verbot. Was du aber wissen musst:
Im Kanton Glarus gilt das ganze Jahr Leinenpflicht im Wald und am Waldrand. Auf dem freien Seeufer ist Leinenpflicht keine gesetzliche Vorgabe, aber sobald du in Richtung Wald gehst oder am Waldrand entlang, gehört der Hund an die Leine. Eine Schleppleine (lange Leine) ist explizit erlaubt und genau das richtige Werkzeug. Sie gibt dem Hund Bewegungsfreiheit am Wasser und erfüllt die Vorschrift, wenn ihr in den Wald wechselt.

Praktisch sieht das bei uns so aus:
- Im Wasser und am freien Ufer: Schleppleine ist locker, Noushka kann frei schwimmen und rennen.
- Während des BBQs: Bodenanker im Boden, Schleppleine eingeklinkt. So bleibt sie entspannt in unserer Nähe, ohne dass jemand sie ständig festhalten muss. Riecht eine fremde Familie ihr Poulet, kann sie nicht spontan loslaufen.
- Am Waldrand und auf Wegen mit anderen Menschen: Leine kurz halten, Hund nah.
- Im hinteren Teil des Sees liegt das Schutzgebiet Hinter Klöntal, ein Auengebiet mit Kernzone. Da drin hat kein Hund etwas verloren. Wir bleiben auf den Wegen, schauen auf die Beschilderung und lassen den Hund nicht ins Feuchtgebiet.
Mehr zur kantonalen Leinenpflicht und warum sie gerade in Wildgebieten gilt, steht in unserem Beitrag zur Leinenpflicht für Hunde in Zürich und der Schweiz.
Mehr als nur BBQ: der Rundweg um den See
Wer nicht den ganzen Tag am Wasser sitzen will, kann den ganzen See umrunden. Der Klöntalersee-Rundweg ist seit Sommer 2023 vollständig auf eigenen Wegen ausgebaut (vorher musste man auf der Strasse laufen). Insgesamt etwa 14 Kilometer, drei bis fünf Stunden, gut 120 Höhenmeter rauf, kein SAC-T-Grad, einfacher gelber Wanderweg.
Für die meisten Hunde gut machbar, vorausgesetzt es ist nicht zu heiss und ihr macht regelmässig Pausen im Wasser. Auf der Strecke gibt es immer wieder Stellen, an denen der Hund ins Wasser kann. Wer den ganzen Loop nicht laufen will, geht ein Stück und kehrt um. Vorauen am westlichen Ende ist ein guter Wendepunkt mit Kiosk und Schatten.
Wir haben es bei diesem Besuch beim BBQ und einem kurzen Spaziergang belassen. Beim nächsten Mal nehmen wir die Wanderschuhe mit.
Wer einen ausführlicheren Überblick zu Wanderoptionen mit Hund sucht, findet ihn in unserem Wandern-mit-Hund-Guide für Zürich.
Was wir eingepackt haben
Hier ist die Liste, die bei uns im Kofferraum liegt, wenn ein BBQ-Tag am See ansteht. Nicht alles ist Hightech, vieles ist gesunder Menschenverstand.
Für den Hund:
- Eine Schleppleine. Das ist das wichtigste Stück Ausrüstung für einen BBQ-Tag am See. Wir nehmen die mit Kabelkern, weil sie auch unter Zug stabil bleibt und der Hund nicht durchbeisst.
- Ein Bodenanker (Erdanker). Klingt nach Camping-Spezialausrüstung, ist aber ein Game-Changer fürs Picknick. Du steckst ihn ins Gras, klinkst die Leine ein, und der Hund hat seinen festen Punkt, ohne dass jemand die Leine halten muss.
- Eine faltbare Wasserflasche und ein Trinknapf für frisches Wasser. Auch wenn der See sauber aussieht, geben wir dem Hund Leitungswasser zum Trinken. Kaltes Seewasser im Magen ist unangenehm, und in spätsommerlichen warmen Buchten können sich Algen bilden.
- Ein Zeckenentfernungswerkzeug. Standardausrüstung von April bis Oktober.
- Ein Erste-Hilfe-Set. Klein, leicht, immer dabei.
- Ein Hundehandtuch. Für den Heimweg im Auto.
Für uns:
- Ein kleiner Klappgrill. Wir nutzen einen einfachen tragbaren Holzkohlegrill, der in den Kofferraum passt und nach dem Abkühlen sauber entsorgt werden kann.
- Holzkohle, Anzündhilfe, Grillzange, Alufolie.
- Ein Müllsack extra, für Asche und Kohlereste. Leave no trace, und Asche heisst kalt und vollständig.
- Sonnenhut, Sonnencreme, Wasser.
Hier die konkreten Produkte, die wir nutzen oder empfehlen:
Der Tag in Kurzform
- Morgens losfahren, vorher Live-Auslastung und Waldbrandgefahr prüfen.
- Eine Stunde Anfahrt, parken in Vorauen oder Güntlenau (Handy für die App nicht vergessen).
- Platz suchen am freien Ufer, ausserhalb des Waldes.
- Schleppleine an, Bodenanker rein, Grill auf. Hund schwimmt, wir essen.
- Nachmittags ein kurzer Spaziergang am Ufer, vielleicht ein Stück Rundweg.
- Alles einpacken, Asche kalt mitnehmen, Müll wegräumen. Spuren null.
- Hund im Auto trocken, Klimaanlage an, Rückfahrt. Daheim schläft sie zehn Stunden tief.

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Wir fahren bestimmt noch einmal hin, vielleicht im Spätsommer, wenn das Wasser noch warm ist und die Touristenwelle abebbt. Wer einen weiteren ehrlichen Ausflug mit Hund lesen will: unser Biwak am Klimsenhorn und der T5-Bericht von der Stockflue sind beide deutlich anspruchsvoller, aber genauso lohnend.
Nützliche Links:
- Live-Auslastung Klöntal (vor der Abfahrt prüfen)
- Waldbrandgefahr Kanton Glarus
- Parkraum Klöntal (Tarife, Zahlung)
- PostAuto Linie 504 Klöntal
- Schutzgebiet Hinter Klöntal
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Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht. Der Klöntalersee liegt im Kanton Glarus, nicht im Kanton Zürich, und Vorschriften zu Hund, Feuer und Naturschutz unterscheiden sich je nach Kanton. Prüfe vor jedem Ausflug die aktuelle Waldbrandgefahr, die Live-Auslastung und die Beschilderung vor Ort. Jeder Ausflug erfolgt auf eigene Verantwortung.

