Es ist Hochsommer, Zürich glüht, und in der Wohnung steht die Luft. Mein Hund liegt flach auf den Fliesen und will sich nicht bewegen. Genau für solche Tage habe ich dieses Ziel im Hinterkopf: ein Biwak hoch über dem Vierwaldstättersee, wo es nachts kühl wird, der Sonnenaufgang über dem See unvergesslich ist und mit etwas Glück morgens Steinböcke vorbeiziehen. Das Klimsenhorn am Pilatus, rund zwei Stunden von Zürich entfernt.
Bevor du die Schuhe schnürst: das hier ist kein gemütlicher Spaziergang, und das Klimsenhorn liegt nicht im Kanton Zürich.
Warum gerade das Klimsenhorn?
Das Klimsenhorn ist ein Vorgipfel des Pilatus auf rund 1'907 Metern, oberhalb von Kriens und Luzern. Der höchste Punkt des Pilatus ist das Tomlishorn mit 2'128 Metern, aber das Klimsenhorn hat etwas, das der Hauptgipfel nicht bietet: einen flachen Grat, auf dem man sein Zelt aufstellen kann, mit freiem Blick nach Norden über den Vierwaldstättersee.
Was diesen Ort für eine Nacht draussen besonders macht:
- Die Aussicht auf den Vierwaldstättersee ist gewaltig. Tief unten das tiefblaue Wasser, dahinter die Bergketten der Zentralschweiz.
- Der Sonnenaufgang über dem See ist der eigentliche Grund, oben zu übernachten. Das Licht kriecht langsam über das Wasser, und für ein paar Minuten ist alles rosa und golden.
- Kurzer Zustieg mit Bahn-Option. Du musst nicht den ganzen Berg hochlaufen. Die Panorama-Gondelbahn bringt dich bis Fräkmüntegg, von dort ist es eine überschaubare Tour zum Klimsenhorn.
- Hohe Chance auf Steinböcke. Am Pilatus lebt eine Kolonie von rund 100 Tieren. Wer oben übernachtet, ist morgens und abends genau zur richtigen Zeit dort.

Steinböcke beobachten, ohne sie zu stören
Die Steinbock-Kolonie am Pilatus ist der heimliche Höhepunkt dieser Tour. Am besten sieht man die Tiere in der Dämmerung, früh am Morgen und am späten Abend. Genau dann, wenn Tagesgäste längst wieder im Tal sind und nur die Übernachtenden oben bleiben.
Hier ist der Teil, der nicht verhandelbar ist: dein Hund muss in diesem Gebiet an der Leine bleiben. In Wildruhezonen und Naturschutzgebieten gilt in der ganzen Schweiz Leinenpflicht, und auch im Kanton Nidwalden wird das kontrolliert. Aber auch unabhängig vom Gesetz gehört der Hund hier an die Leine. Steinböcke, Gämsen und anderes Wild reagieren auf einen freilaufenden Hund mit Flucht, und Flucht im steilen Gelände kostet die Tiere Energie, die sie nicht haben.
Besonders bei Hunden mit hohem Jagdtrieb ist das keine Empfehlung, sondern Pflicht. Das Gebiet ist voller Steinböcke. Ein Hund mit Jagdtrieb, der von der Leine kommt, ist eine Gefahr für sich selbst, für das Wild und im steilen, ausgesetzten Gelände auch für dich. Für solche Hunde gilt: niemals ableinen, auch nicht "nur kurz". Ein Kabel-Anbindeseil und ein Bodenanker fürs Nachtlager sind hier kein Nice-to-have, sondern Pflichtausrüstung (mehr dazu im Ausrüstungsteil weiter unten).
Beobachte aus Distanz. Niemals annähern, niemals füttern, niemals den Hund auf Wild zulaufen lassen. Wenn du Steinböcke siehst, bleib stehen, halt den Hund kurz und geniess den Moment, wo du bist. Mehr zur Leinenpflicht und warum sie gerade in Wildgebieten gilt, findest du in unserem Beitrag zur Leinenpflicht für Hunde in Zürich und der Schweiz.
Wildes Campieren: was erlaubt ist und was nicht
Das ist der Abschnitt, den zu viele Leute überspringen, und dann campieren am falschen Ort. Also klar und deutlich:
In der Schweiz gibt es kein generelles Recht auf wildes Campieren. Der Schweizer Alpen-Club hält fest, dass ein einzelnes Biwak oberhalb der Waldgrenze geduldet wird, wenn man sich rücksichtsvoll verhält. Geduldet ist nicht dasselbe wie erlaubt. Und es gibt klare Tabuzonen: in Wildruhezonen, Naturschutzgebieten und eidgenössischen Jagdbanngebieten ist Biwakieren verboten. Rund um den Pilatus gibt es dokumentierte Wildschutzzonen, und eine davon nennt das Klimsenhorn ausdrücklich.
Was das praktisch heisst:
- Prüfe vorher die Karte der Wildruhezonen für dein geplantes Nachtlager. Verlass dich nicht darauf, dass es schon gut geht, weil andere dort auch zelten.
- Spät aufbauen, früh abbrechen. Das Zelt geht erst kurz vor der Dämmerung auf und ist im ersten Morgenlicht wieder weg. Ein Biwak ist eine Nacht, kein Wochenende.
- Leave no trace. Alles, was du hochträgst, trägst du wieder runter. Keine Feuerstellen, kein Abfall, keine Spuren. Auch keine organischen Reste.
- Eine Nacht, ein kleines Zelt, leise. Je unauffälliger, desto besser für alle, vor allem für das Wild.
Die offiziellen Regeln des SAC zum Campieren und Biwakieren findest du hier (auf Deutsch).
Die Route: Fräkmüntegg zum Klimsenhorn
Unser Tag begann spät. Wir nahmen die letzte Gondel von Kriens hoch, weil der Zeltplatz beliebt ist und wir vermeiden wollten, im Dunkeln einen Platz zu suchen. Falls du den besten Fleck auf dem Grat willst: lieber früher dran sein.
Von Kriens fährt die Panorama-Gondelbahn über Krienseregg nach Fräkmüntegg (rund 18 Minuten). Von dort beginnt die Wanderung.
Die Route Fräkmüntegg zum Klimsenhorn ist eine steile, lohnende, anspruchsvolle Alpinwanderung von rund 5,6 Kilometern (etwa 3,5 bis 4 Stunden hin und zurück). Du überwindest gut 600 Höhenmeter und passierst unterwegs die historische Klimsenkapelle (gebaut um 1856, 2004 renoviert), bevor du den Gipfelbereich erreichst.

So lief die Tour bei uns:
- Startpunkt Fräkmüntegg, erreichbar mit der Panorama-Gondel ab Kriens.
- Der Aufstieg führt Richtung Klimsensattel über offene Grashänge und steile Felspartien. Das Gelände ist abwechslungsreich und teils ausgesetzt.
- Das letzte Stück zum Klimsenhorn (rund 1'907 Meter) und zur Klimsenkapelle verlangt Trittsicherheit. Stellenweise geht es eng und steil zu, und ein Fehltritt hat hier Konsequenzen. Genau das macht eine T3-Route aus.
Die wichtigsten Eckdaten:
- Distanz: rund 5,6 Kilometer hin und zurück
- Höhenmeter: rund 635 im Aufstieg
- Schwierigkeit: schwer (T3). Erfordert mittlere alpine Erfahrung und gute Bergschuhe.
- Beste Zeit: Juni bis Oktober
T3: für wen diese Route geeignet ist und für wen nicht
T3 bedeutet auf der SAC-Wanderskala anspruchsvolles Bergwandern: ausgesetzte Stellen, absturzgefährdetes Gelände, Trittsicherheit zwingend. Kurze gesicherte Passagen sind möglich. Das ist keine Route für jemanden, der zum ersten Mal in den Bergen unterwegs ist, und auch nicht für einen Hund, der noch nie auf alpinem Gelände war.
Für dich und deinen Hund heisst das:
- Trittsicherheit und ein wenig alpine Erfahrung sind Pflicht. Wenn dir bei Ausgesetztheit mulmig wird, ist das hier nichts für dich.
- Dein Hund sollte fit sein und keine Angst vor steilem, felsigem Gelände haben. Beurteile ehrlich, ob dein Hund das körperlich und vom Temperament her packt.
- Geh nicht im Mai. Restschnee kann bis in den späten Frühling auf dem Pfad liegen, und Schnee in ausgesetztem Gelände macht aus einer T3-Route eine echte Gefahr.
Hitze und Wasser: der wichtigste Punkt für den Hund
Du fährst hier hoch, um der Hitze zu entkommen, aber der Aufstieg selbst findet oft in praller Sonne statt. Hunde regulieren Wärme schlechter als wir, und bei Hitze verdoppelt sich ihr Wasserbedarf fast. Als Richtwert: rund 80 bis 100 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bei Wärme. Ein 30-Kilo-Hund braucht also gut 3 Liter am Tag, und für ein Biwak musst du das Wasser für den ganzen Aufenthalt hochtragen, für dich und für den Hund.
So machen wir es:
- Sehr früh starten oder, wie wir, am späten Nachmittag mit der letzten Gondel hoch, damit der Aufstieg nicht in die Mittagshitze fällt.
- Häufige Pausen im Schatten, wo es welchen gibt.
- Wasser anbieten, bevor der Hund hechelt. Wenn er schon stark hechelt, ist es spät.
- Zeichen von Hitzestress kennen: starkes Hecheln, taumeln, dunkelrote Zunge, Erbrechen. Bei Verdacht sofort in den Schatten, Pfoten und Bauch mit lauwarmem Wasser kühlen, Tour abbrechen.
Was wir eingepackt haben
Neben Geschirr und Leine gehört für ein Biwak in dieser Höhe einiges mit. Hier ist, was bei uns dabei war, mit dem Zelt im Bild.

Für den Hund:
- Genug Wasser für den ganzen Aufenthalt plus eine faltbare Trinkflasche, damit der Hund unterwegs trinken kann.
- Hundefutter für die ganze Zeit oben, eingerechnet den höheren Energiebedarf nach einem langen Tag.
- Ein Hundemantel oder Hundeponcho für die kalten Nächte in der Höhe. Auch im Sommer wird es nachts auf knapp 1'900 Metern empfindlich kühl.
- Ein Erste-Hilfe-Set für Hund und Mensch.
- Ein Zeckenentfernungswerkzeug. Gerade in der Schweiz ein Muss, die Zeckensaison läuft von Frühling bis Herbst.
- Für kleine Hunde: ein Rucksack zum Tragen, falls die Pfötchen unterwegs nicht mehr mögen.
- Eine Bergerettungsschlaufe für den Notfall, falls sich der Hund verletzt und getragen werden muss.
- Pflicht, nicht Kür: ein Kabel-Anbindeseil plus Bodenanker. Zum sicheren Anbinden vor dem Zelt, damit der Hund nachts nicht durch die Leine beissen kann und in diesem wildreichen Gebiet sicher in deiner Nähe bleibt. Gerade bei Hunden mit Jagdtrieb sind beide unverzichtbar.
Hier die konkreten Produkte, die wir nutzen oder empfehlen:
Wer überhaupt erst mit der Grundausstattung für Wanderungen mit Hund startet, findet einen guten Einstieg in unserem Wandern-mit-Hund-Guide für Zürich.
Oben angekommen: Sonnenuntergang, Nacht, Sonnenaufgang
Wir haben das Zelt auf dem flachen Grat aufgestellt, an der Stelle, von der aus der Sonnenaufgang über dem Vierwaldstättersee am schönsten ist. Der Sonnenuntergang vom Klimsenhorn ist schon der erste Lohn: das Licht legt sich warm über die Grate, und der See verfärbt sich langsam.

Nachts wird es kühl, ruhig und sehr dunkel. Der Hund schläft im Hundeponcho neben dem Schlafsack, sicher am Anbindeseil. Und dann, vor dem ersten Licht, lohnt sich das frühe Aufstehen: der Sonnenaufgang über dem See ist der Grund, warum man das alles auf sich nimmt. Mit etwas Glück ziehen genau in diesen Minuten die ersten Steinböcke über die Hänge.
Der zweite Tag: Pilatus-Gipfel und Abstieg
Am Morgen haben wir das Zelt früh abgebrochen, alles eingepackt und keine Spur hinterlassen. Dann sind wir weiter zum Gipfelbereich des Pilatus, einen Kaffee trinken, bevor es zurück ins Tal ging.
Für den Abstieg gibt es zwei Varianten: zu Fuss zurück, oder bequem mit der Bahn. Vom Pilatus Kulm führt die Luftseilbahn (der Dragon Ride) hinunter nach Fräkmüntegg, von dort die Panorama-Gondel zurück nach Kriens. Wir haben die Bahn genommen.
Wichtig zur Planung:
- Fahrplan und Preise vorher prüfen. Die aktuellen Zeiten findest du im Pilatus-Fahrplan, die Tickets unter Pilatus-Tickets. Zur Gondel selbst: Panorama-Gondelbahnen.
- Saison beachten. Die Bahnen sind 2026 vom 19. Oktober bis 27. November wegen Revision geschlossen. Plane deine Tour innerhalb der Saison.
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Quiz starten →Kurz zusammengefasst: was wir gemacht haben
- Letzte Gondel von Kriens hoch nach Fräkmüntegg.
- Wanderung Fräkmüntegg zum Klimsenhorn, Zelt auf dem flachen Grat.
- Nacht oben, Sonnenuntergang und am Morgen Sonnenaufgang über dem See.
- Am nächsten Tag weiter zum Pilatus-Gipfel auf einen Kaffee, dann mit der Bahn ins Tal.
Wer eine andere ehrliche Alpentour mit Hund lesen will: unser Erfahrungsbericht von der Stockflue beschreibt eine deutlich schwierigere T5-Route im Kanton Schwyz, inklusive der Stellen, an denen der Hund nicht weiterkam.
Nützliche Links:
- Pilatus LIVE Bedingungen (vor jeder Tour prüfen)
- Pilatus Panorama-Gondelbahnen
- Pilatus Fahrplan
- Pilatus Tickets und Preise
- Pilatus Steinbock-Safari
- SAC: Campieren und Biwakieren
- AllTrails: Klimsenhorn
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Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und keine bergsteigerische Fachberatung. Das Klimsenhorn liegt im Kanton Nidwalden, nicht im Kanton Zürich, und hundespezifische Vorschriften unterscheiden sich je nach Kanton. Beurteile die Fitness deines Hundes und die aktuellen Bedingungen ehrlich, bevor du losgehst. Jede Tour erfolgt auf eigene Verantwortung.

